09.11.2018

Velberter Unternehmen brauchen und wollen das neue Gewerbegebiet

Stellungnahme der Schlüsselregion e.V. zum Gewerbegebiet Langenberger Straße

1.    Die Velberter Unternehmen brauchen und wollen das neue Gewerbegebiet
Die Schlüsselregion e.V. hat 42 Velberter Mitgliedsfirmen aus dem industriellen Bereich zu dem neuen Gewerbegebiet an der Langenberger Straße / Große Feld befragt. Die Antworten zeigen ein klares Ergebnis:

Die Unternehmen brauchen und wollen das neue Gewerbegebiet und betrachten die derzeitige Diskussion mit Sorge, vor allem da von den Gegnern des Gewerbegebietes immer wieder behauptet wird, es bestehe überhaupt kein Bedarf für neue Gewerbeflächen.

Hierzu lässt sich ganz eindeutig festhalten: Dies ist sachlich falsch.

67% der Firmen beschäftigten sich mit der Frage, wie sie ihre Betriebsfläche mittelfristig vergrößern können. 64% von diesen expansionswilligen Unternehmen sind an dem neuen Gewerbegebiet an der Langenberger Straße interessiert.

Einige würden am liebsten sofort dort bauen, weil sie dringenden Platzbedarf haben und in Velbert keine andere geeignete Fläche finden. Manche denken sogar schon notgedrungen darüber nach, in eine andere Stadt zu gehen. „Und das - als Unternehmen, das seit 1930 in Velbert ansässig ist - wollen wir natürlich vermeiden“, schreibt ein Unternehmer.

Ähnlich äußern sich auch viele andere Unternehmen. Hierzu sieben Zitate aus unterschiedlichen Firmen, die aus Wettbewerbsgründen anonymisiert wurden:

  • „Wir suchen schon seit 2014 eine geeignete Immobilie. Wir würden gerne dort an der Langenberger Straße bauen. Bei uns ist es eilig. Wir sehen uns auch schon in Ratingen um, weil wir nichts Adäquates bekommen.“

  • „Ich bin konkret auf der Suche nach einer Gewerbefläche für meinen Betrieb. Meine bisherigen Versuche etwas brauchbares Eigenes zu finden sind bisher gescheitert.“

  • „Mittel- und langfristig wollen wir unser Geschäft ausdehnen. Unsere Strategie beinhaltet die Errichtung einer eigenen Fertigungshalle in Velbert. Dazu benötigen wir dann einen Standort. Das Gewerbegebiet Langenberger Straße ist ideal dafür geeignet.“

  • „Unsere Firma ist seit über 50 Jahren an unserem jetzigen Standort. Dieser Standort ist zentrumsnah und mittlerweile Wohngebiet. Wir würden in den nächsten 5-10 Jahren gerne in das neue Gewerbegebiet Langenberger Straße ziehen. Das wäre gut für unsere Firma (Wachstum?), aber auch für unsere jetzigen Nachbarn!“

  • „Natürlich braucht die Stadt ein modernes Gewerbegebiet! Die umliegenden Städte haben ihre Gewerbeflächen längst ausgebaut. […] Wir sind platztechnisch am Ende und brauchen mehr Platz.“

  • „Wir haben bereits Interesse […] angemeldet. An unserem jetzigen Standort ist leider keine weitere Entwicklung mehr möglich, so dass wir uns in den kommenden Jahren dringend nach einem neuen Standort umsehen müssen.“

  • „Wir hatten vor unser Unternehmen in dem neuen Industriegebiet zu erweitern. Wir sind nun im letzten Jahr für drei Jahre in die […] Straße gezogen, aus Platzgründen und auch nur vorrübergehend um uns erweitern zu können. Wenn das Projekt nun doch nicht umgesetzt wird, oder sich auf unbestimmbare Zeit verzögert, werden wir in drei Jahren den Standort Velbert aufgeben müssen."

Und das sind bei Weitem nicht alle, die sich in dieser Form geäußert haben.
 
Hier zeigt sich: Die Langenberger Straße ist eine echte Perspektive, diese Firmen am Standort Velbert zu halten und vielen alteingesessenen Familienunternehmen zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten zu geben.

Nur für die Firmen, die an ihrem bisherigen Standort noch Erweiterungsmöglichkeiten haben, spielt das neue Gewerbegebiet keine Rolle. Aber das Glück haben die wenigsten. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt: Meistens suchen Velberter Industriebetriebe bei einer Erweiterung neue Flächen zwischen 1.000 und 10.000 qm. So war es in dem von der Stadt Velbert zuletzt entwickelten Gewerbegebiet Talstraße, in dem jedoch nun keine Flächen mehr frei sind.

2.    Die Industrie hat nach wie vor eine sehr große Bedeutung für Velbert

Es gibt in Velbert aktuell 14.250 Arbeitsplätze in der Industrie. Das sind 47% aller Arbeitsplätze in der Stadt.

Die Zahlen zeigen: Jeder zweite Arbeitsplatz in Velbert hängt an der Industrie – und da sind die Beschäftigungseffekte noch gar nicht eingerechnet, die in Dienstleistungsbranchen durch die Nachfrage der hiesigen Industriebetriebe entstehen. Dazu gehören IT-Firmen, Druckereien und Werbeagenturen, Reinigungsfirmen, Steuer- und Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung und vieles mehr.

Die Industrie ist damit die große wirtschaftliche Stärke Velberts, und das schon seit vielen Jahrzehnten. Neben den Arbeitsplätzen geht es dabei auch um die Gewerbesteuer, mit der Schulen und Kindergärten finanziert werden.


3.    Wer die Industrie nicht in der Stadt haben will, muss sie im Außenbereich akzeptieren
Betrachtet man die Velberter Innenstadt vor 100 Jahren, so sieht man eine dichte Mischung aus Wohnen und Gewerbe, in der sich Häuser und Fabriken eng aneinanderreihen. Wenn alle Flächen im Innenstadtbereich, auf denen früher Gießereien, Schlossfabriken oder andere metallverarbeitende Betriebe gearbeitet haben, nach wie vor Gewerbeflächen wären, wäre vielleicht keine neue Fläche im Außenbereich notwendig.

Doch für diese Diskussion ist es zu spät. Die Vermischung von Wohnen und Gewerbe ist im Laufe der Jahrzehnte weitgehend verschwunden – zu Gunsten des Wohnens. Viele ehemalige Fabrikstandorte im Innenstadtbereich Velberts werden heute für Wohn- oder Einkaufszwecke genutzt. Diese Entflechtung ist auch grundsätzlich für beide Seiten eine gute Sache.

Aber: Wenn man die Industrie nicht in der Stadt haben will, dann muss man sie am Stadtrand akzeptieren – oder klar sagen, dass man grundsätzlich keine neuen Gewerbeflächen in Velbert haben will, mit allen Konsequenzen für die Arbeitsplätze und das Gemeinwesen.

4.    Die Ansiedlung neuer Firmen durch die neue A44 gelingt nur mit neuen Flächen
Man kann den hohen Industrieanteil in Velbert auch als Schwäche in anderen Bereichen sehen. Keiner hätte etwas dagegen, wenn sich in Velbert auch verstärkt Unternehmen aus anderen Branchen ansiedeln, am wenigsten die Industrie selbst. Der Ausbau der A44 als Anschluss an den Wirtschaftsraum Düsseldorf bietet auch alle Chancen dafür. Diese Neuansiedlungen wird es jedoch nur geben, wenn hierfür auch Flächen verfügbar sind.


Und noch ein Hinweis zum Abschluss: Die Bürgerinitiative visualisiert die Industrie auf ihren Bannern als Fabrik mit rauchenden Schloten. Das gibt es in Velbert schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Heute sieht man auf den Dächern der Velberter Firmen vor allem eines: Solaranlagen.


Unterzeichner:
Der Vorstand der Schlüsselregion e.V. im Namen der Mitgliedsunternehmen
www.schluesselregion.de

Über uns: Die Schlüsselregion e.V. ist das Firmen-Netzwerk der Region Velbert/Heiligenhaus. Unsere rund 200 Mitgliedsfirmen kommen aus der Schloss- und Beschlagindustrie und deren Zulieferbranchen. Wir engagieren uns in den Bereichen Ausbildung und Gesundheitsmanagement, organisieren Weiterbildungen in Form von Fachtagungen und Seminaren und unterstützen moderne Fertigungsverfahren und Digitalisierungsprozesse in den mittelständischen Familienunternehmen von Velbert und Heiligenhaus.